Vita

Karl Reuter
Geboren am: 05.12.1902 - Verstorben am: 01.02.1993
Turnfestsieger 1928 Köln im olympischen Zwölfkampf

Weitere Auszeichnungen:

  • 1928 Ehrenurkunde des Hessischen Staatspräsidenten
  • 1953 Nach 25 Jahren nochmal Turnfestsieger seiner Altersklasse in Hamburg im olympischer Zwölfkampf
  • 1954 Silberne Ehrennadel der Stadt Giessen
  • 1962 Silberne Ehrennadel des deutschen Turnerbundes
  • 1964 Silberne Ehrennadel des Landkreises Giessen
  • 1966 Verleihung der Walter-Kolb-Plakette
  • 1967 Silberne Ehrennadel des Landessportbund-Hessen
  • 1970 Plakette des deutschen Turnerbundes
  • 1977 Goldene Ehrennadel der Olympischen Gesellschaft
  • 1982 Ehrenteller des Hessischen Turnverbandes
  • 1987 Verleihung der Friedrich-Ludwig-Weidig-Plakette
  • 1999 Benennung des Weges an der Sporthalle Ost
    in “Karl-Reuter-Weg”
  • 2002 Stadt Giessen vergibt zum ersten Mal die “Karl-Reuter-Medaille” als höchste sportliche Auszeichnung auf internationaler Ebene.

Ausschnitt aus der Laudatio von Karl Erich Wolff

anlässlich der Verleihung der Friedrich-Ludwig-Weidig Plakette 1987.

Karl Reuter wurde am 05. Dezember 1902 als Ältester von zehn Geschwistern in Erlangen geboren. Der Umzug seiner Familie brachte ihn nach Gießen, wo er 1913 in die Turnabteilung des TV 1846, damals unter der Leitung des Oberturnwart Karl Erb, eintrat. Ein früherer Eintrat war nicht möglich, denn damals gab es noch keine Kinderturnstunde. Karl Reuter fiel bald durch seine hervorragende Veranlagung sowohl für das Gerätturnen als auch für die Leichtathletik auf und konzentrierte sich frühzeitig auf den gemischten Zwölfkampf mit Kür- und Pflichtübungen am Barren, Pauschenpferd und Reck, dazu eine Kraftübung am Reck, ein Sprung über das Längspferd, eine Freiübung und als leichtathletische Disziplinen das Kugelstoßen, der 100-m-Lauf und der Freiweithochsprung. In diesem Wettkampf wurde Karl Reuter bereits beim Gauturnfest 1921 in Marburg 1. Sieger und errang bei seinem ersten Deutschen Turnfest 1921 in München einen beachtlichen 47. Rang.

Zu seinem Zwölfkampf beim Deutschen Turnfest 1928 in Köln schreibt Karl Reuter:
„Ich turnte in der zweiten Gruppe und begann um 7 Uhr morgens mit den leichtathletischen Übungen. Mit 61 Punkten – damals galt noch die 20-Punktewertung – wurde ich bester „Volksturner“ des Zwölfkampfes: Weithoch 1,75 m, 3,50m, 25 Punkte, war dabei meine beste Übung. Bei meiner Reck-Pflichtübung hatte ich Pech: Sie begann mit einer Zweigriffschwungstemme und Überspreizen eines Beines mit einer halben Drehung in den Grätschschwebestütz, Rückfallen, Ausgrätschen und Unterschwung mit einer halben Drehung in den Hang mit Zwiegriff. Hundertmal zu Hause geturnt, hier klappte der Anfang nicht. Es war das erste Gerät nach dem 100-m-Lauf, bei dem ich mich vielleicht zu viel ausgegeben hatte. Die Ruhe bei meinen weiteren Übungen verlor ich dadurch nicht.“
Erst aus der Zeitung erfuhr Karl Reuter, dass er zusammen mit Emil Preiss vom Turnverein Frischauf Aurora Illinois ( Chicago ) Turnfestsieger geworden war. Die Begeisterung war riesengroß, denn ein Turnfestsieg galt damals viel. Zur Siegerehrung schreibt Karl Reuter:
„Nachdem wir beide die allgemeinen Freiübungen in der ersten Reihe mitgeturnt hatten, wurden wir auf den Befehlsturm gerufen. Der herrliche Blick von dieser Höhe auf die über 30.000 Turner und Turnerinnen in Aufstellung und über die weit über 100.000 Zuschauer, das Kommando „Setzt die Kränze auf!“ und das Läuten der Glocken während der Siegerehrung waren für mich ein unvergessliches Erlebnis. Oberturnwart Carl Steding nahm die Siegerehrung von uns beiden vor. Bei ihm stand unser damaliger Vorsitzender Prof. Dr. Berger.“
Der Empfang des Turnfestsiegers Karl Reuter in Gießen wurde ein wahres Volksfest, bei dem der Oberbürgermeister Dr. Keller und seine Stadtverordneten zusammen mit den Vorsitzenden der beiden Turnvereine TV 1946 und MTV 1885 „ihren“ Turnfestsieger vom Bahnhof aus in vier Kutschen durch eine jubelnde Menge begeisterter Gießener zur Volkshalle geleiten, wo sich die Freude über diesen Erfolg und der Stolz auf „unseren Turnfestsieger“ in patriotischen Reden äußerte. An dieses Ereignis können sich die alten Gießener auch heute nach fast 50 Jahren noch sehr genau erinnern !“
Nach der feierlichen Verlesung dieser Laudatio kam ein schlanker junger Mann zu Karl Erich Wolff, bemerkte kurz, die Laudatio sei ja sehr schön gewesen, aber einen kleinen Fehler enthalte sie doch: Einer der Anwesenden, nämlich er selbst, sei in diesem Jahr die Hundertmeterstrecke schneller als Karl Reuter damals in Köln gelaufen, der sei nämlich 12,0 Sekunden ( handstoppt ) gelaufen, während er beim Deutschen Turnfest 1987 in Berlin nur 11,7 Sekunden (elektronisch gestoppt!) gebraucht habe. Nach seinem Namen gefragt, kam verschmitzt lächelnd die Antwort: Christian Reuter, ein Sohn des Sohnes von Karl Reuter!!!